Dresden: Die Waldschlösschenbrücke. (Foto: M. B.)
sss

Freitag, 1. April 2016

Jazzfotos von Hans-Joachim Maquet: Wilde Musik vor den Türen der Büros im Uniklinikum

(Till Brönner im Medizinisch-Theoretischen Zentrum der TU Dresden am 15. Dezember 2011 zum Benefizkonzert zugunsten des Cochlea-Implant Centrums. Foto: Hans-Joachim Maquet)

Dresden: Ab 5. April 2016 zeigt die Galerie im Gang des Geschäftsbereichs Bau und Technik des UKD Jazzfotos von Hans-Joachim Maquet

Ausstellungswechsel im Gang des Geschäftsbereichs Bau und Technik des Dresdner Universitätsklinikums. Ab dem 5. April 2016 nachmittags werden großformatige Fotos des deutschlandweit bekannten Jazzfotografen Hans-Joachim Maquet zu sehen sein. Damit setzen Geschäftsbereich-Chef Steffen Kluge und dessen Helfer das Engagement für hochqualitative Kunst im Lebensalltag fort. »Ich finde es interessant und wichtig, das Besondere, Qualitätsvolle und So-noch-nicht-Bekannte öffentlich zu machen, und damit ein klein wenig zum kulturellen Niveau auch im Alltag beizutragen«, verriet Galerie-»Hausherr« Kluge schon bei der vorangegangenen Exposition sein Credo. Im Vorstand des Uniklinikums hat Kluge einen weiteren »gewichtigen« Mitstreiter gefunden – Prof. D. Michael Albrecht hat die Schirmherrschaft der Ausstellung übernommen.
Gezeigt werden diesmal etwa 25 Fotos von Jazzmusikern in Aktion, keine extra im Studio hergerichteten Porträtfotos, sondern Konzertaufnahmen »aus Fleisch und Blut«. »Meine Fotos sind Momente; sie versuchen Spannung und Stimmung auszudrücken wie man sie bei Live-Auftritten auch als Zuhörer erlebt und fühlt«, sagt der Fotograf Hans-Joachim Maquet. »Ohne den Anspruch an Ästhetik zu verlieren, soll im Foto das künstlerisch Typische des Musikers dargestellt werden und gleichzeitig das ganz Persönliche eigener Fotografie im Vordergrund stehen.« Im Visualisieren solch magischer musikalischer Momente hat Maquet einige Erfahrung. Jahr für Jahr quer durch Deutschland, die Schweiz, Österreich und weiteren Staaten bei Festivals und Konzerten unterwegs, hat er eine schier unüberschaubare Menge an Musiziersituationen gesammelt und nahezu alle bedeutenden europäischen und viele weitere Jazzmusiker im Live-Bild eingefangen – und dies seit Jahrzehnten. Mit dieser Ausstellung erinnert Hans-Joachim Maquet auch an einen früheren Höhepunkt im Dresdner Jazzleben – nämlich an die Konzertreihe »Jazz im Uniklinikum«, die für mehrere Jahre von Steffen Kluge – auch als »kleinen Beitrag gegen den aktuellen Abbau der Kulturvielfalt in Dresden« veranstaltet wurde. Die nunmehrige Ausstellung enthält auch Fotos von Musikern bei ihren früheren Auftritten im Uniklinikum.


Fotoausstellung im GB BuT des UKD, Haus 62, Schubertstraße, Vernissage: 5. April 2016, 15.30 Uhr
Musik zur Vernissage:
Günter Heinz, Posaune, Zurna, Flöte


Donnerstag, 24. März 2016

Zum Beitrag »Kreuzchor ohne Kreuz« von Christian Wolff in der Sächsischen Zeitung

Besonders im Schwarz-Weiß-Zeitungsdruck schwer reproduzierbar: das neue Kreuzchor-»Logo«.

Zum Beitrag »Kreuzchor ohne Kreuz« von Christian Wolff in der Sächsischen Zeitung 12./13. März 2016-03-14 habe ich das Folgende anzumerken:

Der Beitrag beschreibt, dass sich der Kreuzchor anlässlich seines 800-jährigen Jubiläums aus Marketinggründen offenbar vom Bezug auf seine kirchliche, ja teilweise sogar humane Tradition loslöst. Dabei wird auch deutlich, dass der Chor es nicht zu einer neuen, tauglichen, Profil schaffenden Identität schafft, sondern »ohne Not ins ideologische und religiöse Niemandsland« abdriftet.

Wer jedoch ein Wischi-Waschi-Selbstbild von sich vermittelt, macht es Kommunikationsdesignern schwer, einen griffigen, wenn nötig neuen visuellen Außenauftritt zu entwickeln.
Bisher hatte der Kreuzchor ein brillantes, modern wirkendes, die symbolische Einbettung der Kirche und des Chores in die Gesellschaft visualisierendes Logo, das aus einer Kombination von offenem Zeichen und moderner Schrift besteht. Geschaffen hatte es der Künstler Bernd Hanke, der sich damit sogar bei gleich zwei entsprechenden Wettbewerben durchsetzte.

Dieses Logo hat der Kreuzchor im Zuge des Jubiläums aufgegeben. Nun hat er kein vergleichbar niveauvolles mehr.

Die neue Wortmarke, typografisch altertümelnd ausgeführt und mit ihrer Anmutung an die Typo-Gestaltung des früheren Zeitungstitels des Neuen Deutschlands erinnernd, entwickelt keine über die Bedeutung des Namens »Dresdner Kreuzchor« hinausgehende Symbolik, sie lässt sich im Zeitungsdruck, besonders im Falle von Schwarz-Weiß, schwer reproduzieren, wirkt sehr behäbig-blockig – ein weborientiertes Grafikdesign lässt sich eben nicht ohne Probleme im Print-Bereich anwenden.

Diese Wortmarke passt sich in ein Titelblatt-Design der Jubiläumsbroschüre ein, das gestalterisch eher einer Festschrift für einen Bestatter-Verband entspricht als der für einen weltbekannten, zeitgemäßen Knabenchor mit langer Tradition, der seine exzellente Kunst in der heutigen Zeit präsentieren will.

Dass das Heft auch noch dreist mit der inhaltlich falschen Formulierung »800 Jahre 2016« überschrieben ist, lässt einen genauso ratlos zurück wie die Tatsache, dass das Backcover der Broschüre (und weitere Seiten) Kreuzschüler nicht vor der Kreuz- sondern vor der Frauenkirche zeigt. Da ist die Bezugnahme auf Bach kein schwacher Trost. Dass die Jubiläumsbroschüre nichts ernsthaft Historisches enthält und damit auch die Behauptung nicht belegen kann, der Chor sei gerade jetzt wirklich 800 Jahre alt (das nämlich ist in der Fachwelt umstritten), trägt zum Ärger bei.

Mathias Bäumel

PS.: Der obige Ausriss mit dem neuen »Logo« entstammt den DNN vom 4. März 2016.

Freitag, 5. Februar 2016

Wir-Gefühl innerhalb der Dresdner Kunstszene kann Gefahren in sich bergen


Selbstverständlich ist es aller Ehren wert, wenn eine ambitionierte Hobby-Fotografin sich Dresdner Künstlern widmen will. Und es spricht für das Projekt, wenn andere ihr dabei helfen, materiell und auch ideell. Schließlich ist es ein großer Glücksfall, wenn diese Hilfe auch dazu führt, dass ein solch gewichtiges Buch herausgegeben werden kann.


Der kürzlich veröffentlichte dicke Fotoband »Dresdner Künstler im Blick – Porträtfotografie Gabriele Seitz« ist es durchaus wert, beachtet und diskutiert zu werden.

Das Buch ist eine Fleißarbeit. Der Besuch von 207 Künstlern in deren Ateliers, das Organisieren dieser Termine, das Fotografieren und schließlich das Beschaffen und redaktionelle Bearbeiten der dazugehörigen Texte (meist, aber nicht nur von Heinz Weißflog) sind ein gehöriges Stück Arbeit. Die Fotografin selbst gibt an, bei diesem Projekt rund 18.000 Kilometer »verfahren« zu haben! Herausgekommen ist dabei vor allem ein gut gefülltes Kompendium von Künstlern aus Dresden und der Region – Maler, Grafiker und Plastiker.

Aber das Buch ist auch Zeugnis eines Dilettantismus. Zwar beseelt von ihrer gefundenen Aufgabe, lässt Gabriele Seitz dennoch nicht selten fotografische Qualität vermissen, und dies auf zwei Ebenen.

Einerseits fallen auf vielen Seiten immer wieder handwerkliche Schwächen ins Auge. Fotos wirken unscharf, ihr Fokus liegt manchmal knapp daneben oder betont Nebensächliches (zum Beispiel Tafeln 61, 71, 111, 235). Der Umgang mit dem Licht ist zum Teil fragwürdig, er lässt Gesichter durch Schatten dunkel »einsuppen« und aus unerfindlichen Gründen mit Hintergründen verschwimmen (Tafel 60, 146, 157). Wer, wie Gabriele Seitz, ausschließlich mit dem vorgefundenen Naturlicht arbeiten möchte, sollte dies auch können. Überhaupt ist die Arbeit mit dem Hintergrund in einer Reihe von Fällen ungeschickt, das Verhältnis von Hintergrund-Mustern und Vordergrund-Gesichtern problematisch. Es wirkte wie eine schale Ausrede, wenn nun an dieser Stelle entgegnet würde, dies seien keine handwerklichen Mängel, sondern Insignien einer besonderen künstlerischen Schöpferkraft.

Andererseits scheint sich Gabriele Seitz mit ihrem Mammut-Projekt ein Eigentor geschossen zu haben, denn viele – natürlich nicht alle – Fotos zeugen davon, dass die Fotografin den Menschen und Künstler, den sie porträtieren wollte, nicht erfasst, nicht getroffen, sich nicht in ihn eingefühlt hat. Wie auch bei dem Zeitdruck?

Sicher ist es zu großen Teilen Sache der Fotografin selbst, wie sie die zu porträtierende Person empfindet und wie sie sie schließlich darstellt. Aber wenn eine der großartigsten und künstlerisch einflussreichsten Fotografinnen der deutschen Fotogeschichte dargestellt wird als handele es sich um einen Schnappschuss aus einer Irrenanstalt und damit vor allem um eine geistig verwirrte Person, ist wohl etwas schiefgelaufen.

Schließlich ist das Buch eines der Eitelkeit. Nach Erscheinen des Folianten hat eine ganze Reihe der abgebildeten Künstler das Ergebnis hinter vorgehaltener Hand beklagt. Sie seien nicht gut getroffen und unglücklich dargestellt worden, es sei alles Husch-husch gegangen. Man hörte einzelne Künstler entnervt stöhnen: »Diese Frau kommt mir nicht nochmal ins Atelier.«
Doch das ist selbstgemachtes Leid. Die unzufriedenen Porträtierten hätten einfach sofort kritisch eingreifen und sich die Fotos vorlegen lassen sollen. Aber das hätte ja dann in einigen Fällen bedeutet, dass sie in dem Kompendium Dresdner Künstler fehlen würden ... Eitelkeit siegt manchmal über Qualität. Lächelnd vorgetragene Toleranz (»Jeder soll sein Zeug in Ruhe machen dürfen, wie er will ...«) scheint eine Variation davon zu sein.
Und dieses Credo gilt vom Grundsatz her zu Recht. Nicht nur für die porträtierten Künstler, sondern auch für die Fotografin, die selbstverständlich ihr Buch veröffentlichen kann mit genau den Bildern, die sie selbst für veröffentlichungswert hält. Zumindest, so lange ein solches Werk nicht öffentlich gefördert ist. Im Gegenzug sollte damit aber auch ehrlich umgegangen werden – wem nützt eine Lobhudelei aus falsch verstandenem Korpsgeist? Ein Wir-Gefühl innerhalb der Dresdner Kunstszene kann Gefahren in sich bergen.

Mathias Bäumel

Dresdner Künstler im Blick. In 190+9 Ateliers
Porträtfotografie von Gabriele Seitz
Verlag SchumacherGebler Dresden 2015,
Hardcover, 2015
350 Seiten, ca. 240 Abbildungen
ISBN: 978-3-941209-36-7
39,00 Euro

PS.: Das Bild oben zeigt die Buchtitelgestaltung des Verlages SchumacherGebler.

Dienstag, 17. November 2015

Da vibriert das Zäpfchen vor Gier! – Ösi-Weinverkostung am 21. November

Da vibriert das Zäpfchen vor Gier! Namen wie Blaufränkisch, Zweigelt, Grüner Veltliner stehen für die typischen Rebsorten Österreichs, Pinot Noir und Sauvignon Blanc für die Weine, die die Ösis auch sehr gut können!

Das gesamte Spektrum von Österreichs Weinvielfalt kann nun bei Kama Wine in Dresden verkostet werden – am Sonnabend, 21. November 2015 von 11 bis 18 Uhr!
Sage und schreibe 36 verschiedene Weine warten, aufgestellt in mehrere Flaschen-Batterien, auf durstige und erlebnishungrige Schlünder!
Wo kann man schon aus einem so breiten Angebot auswählen und kosten?

Ort: Dresden, Florian-Geyer-Straße 58
Zeit: 21. November 2015 (11 bis 18 Uhr)

Natürlich kann man auch kaufen. Beispielsweise die Weine berühmter Winzer – in der 5+1-Einkaufsaktion!

Prosit!

(M. B.)

Montag, 19. Oktober 2015

Sanierung der Bismarckstraße im Gewerbegebiet in Niedersedlitz ist gelungener Schildbürgerstreich

(Foto: Mathias Bäumel)

Dresden-Niedersedlitz, Sanierung der Bismarckstraße im Zuge der straßenbaulichen Neugestaltung des dortigen kleinen Gewerbgebietes: Die Maßnahmen wirken wie Schildbürgerstreiche. Die Bismarckstraße (im Bild) wird sehr schmal angelegt, obwohl gerade in einem Gewerbegebiet mit großen, einander begegnenden Lastwagen gerechnet werden muss.
Wer dort sicher so gut wie nie entlangspazieren wird – es ist ein für Spaziergänge wenig attraktives Gewerbegebiet so gut wie ohne jede Wohnbebauung –, sind Fußgänger. Das hat die Planer groteskerweise nicht davon abgehalten, zum Ausgleich für die schmale Straße viel Platz für Fußwege einzuplanen. Ein so entstandenes Verhältnis Fußweg- zu Straßenbreite von 2:3 mag zwar für »innerstädtische Gewerbegebiete« rein juristisch vertretbar sein, geht aber an den realen Bedürfnissen und vernunftsbezogenen Überlegungen völlig vorbei.
Dabei ist der Fußweg auf der südlichen Straßenseite sogar mit Buchten für künftige Bäume konzipiert! Sicher müssen dafür die gewerblichen Anrainer ihre unmittelbar daneben befindlichen Bäume und Gebüsche auf eigenem Gelände entfernen, damit die neu anzupflanzenden genügend Licht bekommen.

Die Sächsische Zeitung vom 17./18. Oktober 2015 berichtete auf Seite 10, dass die Sanierungs- und Ausbaumaßnahmen im Gewerbegebiet Bismarck-/Sosaer Straße in Dresden-Niedersedlitz an den realen Bedürfnissen vieler dort ansässigen Gewerbetreibender vorbeigeht.
Fehlplanungen hätten bereits dazu geführt, dass ein Steinmetzbetrieb seinen Mietvertrag gekündigt hat, weil er nun durch die neu entstandenen Zufahrt- und Rangierverhältnisse für die Sandsteinquader-Transporte keine akzeptable Lade- und damit auch Lagermöglichkeiten mehr habe.

M. B.

Montag, 3. August 2015

Darf die Klaviatur in dieser Weise gespielt werden?

»In der Flüchtlings-Zeltstadt geht die Krätze um« und »Massenschlägerei zwischen Syrern und Afghanen in der Zeltstadt« – das sind die Aufmacher-Überschriften auf Seite 1 der Dresdner Neuesten Nachrichten vom 31. Juli 2015 bzw. 3. August 2015. Gedruckt in Riesenlettern, damit eine besonders herausgehobene Wichtigkeit suggerierend. Natürlich: Die hiermit kommunizierten Fakten stimmen. Aber zeugen Größe und Position dieser Headlines von Verantwortungsbewusstsein? Hier wird Sensationslüsternheit bedient und mit Vorurteilen gespielt. Beim Gebrauch des Wortes Krätze schwingt die jahrhundertealte Stigmatisierung ausgegrenzter und gar unerwünschter Menschen als dreckig und unsauber mit. Natürlich: Als Nachricht gehört das Thema ins Blatt. Aber darf die Klaviatur genau in dieser Weise gespielt werden? Und die Schlägerei? Hat man je gesehen, dass Berichte über Schlägereien groß auf Seite 1 gezogen werden und dabei die Nationalitäten der Schläger zur Spitzennachricht gemacht werden? Etwa wie: »Massenschlägereien zwischen Deutschen vor dem Stern in Prohlis«? Natürlich nicht. Nur dann, wenn es sich um Ausländer handelt. Ergo: Die DNN scheint sich damit endgültig vom verantwortungsvollen Journalismus verabschiedet zu haben. Adieu!

(M. B.)

Dienstag, 7. Juli 2015

Jazzclub Tonne ab Herbst ohne Spielstätte / Kündigung des Mietvertrages durch die Stadt

Der Jazzclub Tonne Dresden hat ab Herbst keine eigene Spielstätte. Die Räume der Tonne im Keller des Dresdner Kulturrathauses, Königstraße 15, wurden durch den Vermieter mit vertraglich vereinbarter zweimonatiger Kündigungsfrist gekündigt. Vermieter ist die Stadt Dresden. Die Kündigung erfolgte alternativlos. Damit ist der Jazzclub Tonne ab der Spielzeit Herbst obdachlos, sofern bis dahin keine gleichwertige Spielstätte für den renommierten Jazzclub in der sächsischen Landeshauptstadt gefunden wird.

Hintergrund der Kündigung ist der bauliche Zustand der Räume im Gewölbekeller des Kulturrathauses. Am 13.6.2015 kam es zu einem Wassereinbruch in den Räumen des Jazzclub Tonne, der erhebliche Konsequenzen hatte. So wurde der Flügel des Clubs unbespielbar und die Nutzung für weitere Veranstaltungen obsolet. Seitdem gab es, neben zahlreichen Hilfsangeboten anderer Spielstätten, seitens der Tonne intensive Bemühungen, um eine Lösung für Dresdens traditionsreichen Jazzclub mit mehr als 30-jähriger Geschichte zu finden. Bislang leider vergebens.

Aus Sicht des Vorstandes der Tonne gibt es derzeit keine einheitliche Haltung der Stadt Dresden zum Jazzkeller im Kulturrathaus. Während das Kulturamt der Stadt gemeinsam mit der Tonne intensiv nach einer Lösung sucht und die Tonne konkret unterstützt, konnte das Liegenschaftsamt bislang keine alternativen Räumlichkeiten zur Nutzung in Aussicht stellen. Der Vorstand der Tonne hat sich deshalb in einem Brief an Oberbürgermeister Dirk Hilbert gewandt und um dessen Hilfe und Vermittlung gebeten. Die Tonne hofft, dass das Problem der Räumlichkeiten auf politischer Ebene wahrgenommen und nicht dem Selbstlauf überlassen wird, vor allem angesichts der Tatsache, dass der Dresdner Jazzclub zu den besten in der Bundesrepublik Deutschland gehört, bei vergleichsweise niedriger institutioneller Förderung.

Für den Erhalt der Tonne als international bekannte Spielstätte für Jazz und angrenzende Musikgenres ist ein Spielbetrieb nach der Sommerpause zwingend notwendig. Eine längere Pause würde dem Renommee der Tonne als mehrfach ausgezeichnete Spielstätte, die mit mehr als 100 Konzerten im Jahr kontinuierlich das Musikangebot in Dresden bereichert, zunichtemachen. Lange geplante Konzerte internationaler Künstler müssten abgesagt werden, nationale und internationale Agenturen von Musikern würden die feste Einbindung der Tonne in Tournee-Planungen abbrechen und der Faden zu Dresdner Festival- und Event-Veranstaltern, wie dem Internationalen Dixielandfestival oder den Tschechischen Kulturtagen würden abreißen. Auch die in den letzten Jahren ständig ausgebaute Kooperation mit der Dresdner Musikhochschule „Carl Maria von Weber“ würde Schaden nehmen.

Der Jazzclub Tonne e.V. hat auf keinen Fall die Absicht aufzugeben. Vielmehr ist die Existenzfrage der Tonne eine politische Frage, die nicht allein auf rechtlicher oder finanztechnischer Ebene gelöst werden kann. Deshalb wird der Vorstand in den kommenden Wochen alles unternehmen, um gemeinsam mit allen an der Kulturpolitik Dresdens Beteiligten eine alternative Spielstätte zu finden.

Unterstützungsangebote anderer Spielstätten kamen bisher von riesa efau, Studentenclub Bärenzwinger, Waldschänke Hellerau e.V., Reformierte Gemeinde Dresden und Societaetstheater.

Ihr vorläufig letztes Konzert veranstaltet die Tonne mit der REPERTOIRE NIGHT im Rahmen der HfM Jazz Nights am Mittwoch, dem 8.7., um 20 Uhr im Kleinen Saal des Kulturrathauses. Einlass ist ab 19:30 Uhr.

(Dies ist die offizielle Presseinformation des Jazzclubs Tonne vom 7. Juli 2015.)